Warum Werdau keine Satzung hat
Die Wiedereinführung einer Baumschutzsatzung stand im Stadtrat zur Abstimmung und wurde abgelehnt — mit fünf Ja- gegen achtzehn Nein-Stimmen. Das Argument war die Bürokratie, die ein Genehmigungsverfahren für die Verwaltung und für die Eigentümer bedeutet.
Für Sie hat das eine praktische Folge, die über den entfallenden Antrag hinausgeht: Es entfällt auch die Wartefrist. In Zwickau steht zwischen Entscheidung und Fällung eine Drei-Wochen-Frist. In Werdau steht dort nichts.
Was auch ohne Satzung gilt
Das Fällverbot vom 1. März bis 30. September steht im Bundesnaturschutzgesetz und gilt unabhängig von jeder Gemeinde. Wer im Juni fällt, weil es „ja keine Satzung gibt“, begeht eine Ordnungswidrigkeit — und die ist mit einem Bußgeldrahmen bis zu 10.000 Euro bewehrt.
Drei weitere Fälle prüfen wir vor jedem Auftrag mit:
- Naturdenkmale. Sie sind unabhängig von jeder Satzung geschützt.
- Festsetzungen im Bebauungsplan. Viele Wohngebiete der 1990er Jahre haben Erhaltungsgebote für einzelne Bäume — die stehen im Plan, nicht im Ortsrecht.
- Ausgleichspflanzungen. Wer beim Hausbau einen Baum als Auflage pflanzen musste, darf ihn nicht ohne Weiteres entfernen.
Die Fristen und die vier gesetzlichen Ausnahmen stehen im Detail auf einer eigenen Seite.
Talsohle, Waldrand und was daraus folgt
Werdau ist eine alte Textilstadt im Tal der Pleiße. Der gründerzeitliche Anteil am Bestand ist hoch, und mit ihm der Anteil an alten Hausgärten: Linden, Eschen und Obstbäume aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg stehen heute oft dicht an Gebäuden, die damals noch nicht da waren.
Werdau liegt im Tal der Pleiße; am 2. Juni 2013 führte der Fluss hier Hochwasser. Zur Stadt gehört mit der Leubnitzer Waldsiedlung außerdem Wohnbebauung unmittelbar am Waldrand. Beide Lagen erzeugen dieselbe Aufgabe in unterschiedlicher Form:
Waldrandlagen und Talsohle heißen: hohe, schlanke Bäume auf weichem Untergrund. Nach Starkregen mit Wind kippen hier keine Kronen, hier kippen Wurzelteller. Was in der Aue steht, hat es nie nötig gehabt, tief zu wurzeln — der Grundwasserstand liegt hoch. Am Waldrand kommt hinzu, dass ein Bestand, der jahrzehntelang im Verbund gewachsen ist, plötzlich frei steht, sobald nebenan gebaut oder gerodet wurde. Solche freigestellten Bäume sind auf Wind nicht eingestellt.
Was wir hier am häufigsten machen
- Fichten an Grundstücksgrenzen. Der Klassiker in den Siedlungen der 1990er Jahre — zu dicht gepflanzt, heute zu hoch, meist ohne Fallraum.Fall für die Kletterfällung.
- Alte Obstbäume in den Ortsteilen. In Königswalde, Steinpleis und Langenhessen steht viel Hausgartenobst, das jahrzehntelang nicht geschnitten wurde.Verjüngung über mehrere Jahre.
- Nachkontrolle nach Sturm. Nach jedem stärkeren Ereignis in der Aue finden sich neu gehobene Wurzelteller — der häufigste Folgeauftrag.
Anfahrt und Ortsteile
Werdau erreichen wir von Zwickau aus in rund 20 Minuten über11 Kilometer. Angefahren werden die Kernstadt mit der Postleitzahl08412 und die Ortsteile Königswalde, Steinpleis, Langenhessen, Leubnitz mit Leubnitzer Waldsiedlung.
Die Stadt zählt 20.209 Einwohner. Für Hausverwaltungen mit mehreren Objekten bieten wir die Regelkontrolle nach FLL im Paket an — das ist auch ohne Satzung sinnvoll, denn die Verkehrssicherungspflicht hängt nicht am Ortsrecht.