Die drei Schnittarten und wann sie dran sind
Erziehungsschnitt: die ersten Jahre entscheiden
In den ersten drei bis fünf Standjahren wird das Grundgerüst festgelegt: ein Mitteltrieb, darum drei bis vier Leitäste in gleichmäßiger Verteilung und flachem Winkel. Alles, was steil nach oben mit dem Mitteltrieb konkurriert, kommt weg. Was hier versäumt wird, lässt sich später nur noch mit viel Aufwand korrigieren.
Erhaltungsschnitt: Licht in die Krone
Beim tragenden Baum geht es darum, die Krone licht zu halten. Fruchtholz braucht Sonne; eine dichte Krone trägt außen viel und innen nichts, und die Früchte im Schatten bleiben klein. Entfernt werden nach innen wachsende Triebe, sich kreuzende Äste, steile Wassertriebe und altes, erschöpftes Fruchtholz.
Verjüngungsschnitt: der vernachlässigte Altbaum
Der häufigste Auftrag bei uns — ein Apfelbaum, der zwanzig Jahre nicht angefasst wurde. Er ist zu hoch, innen verkahlt, außen dicht und trägt nur noch in der Peripherie. Er lässt sich retten, aber nicht in einem Winter:
- Jahr eins: Totholz heraus, die stärksten Konkurrenztriebe entfernen, Grundstruktur wieder sichtbar machen.
- Jahr zwei: Krone lichten, Höhe auf ableitende Seitenäste zurücknehmen.
- Jahr drei: Feinarbeit am Fruchtholz, überzählige Wassertriebe entfernen.
Wer das in einem Durchgang macht, erntet eine Welle steiler Wassertriebe und einen Baum, der schlechter dasteht als vorher.
Warum Steinobst anders behandelt wird
Kirsche, Zwetschge, Pflaume und Pfirsich verschließen Wunden schlechter als Apfel und Birne und reagieren auf Winterschnitt mit Gummifluss — dem Austritt von Harz an der Schnittstelle. Zusätzlich ist die Monilia-Spitzendürre ein Thema, deren Infektion über frische Wunden läuft.
Deshalb wird Steinobst nach der Ernte geschnitten, also im Sommer. Bei der Sauerkirsche fallen Ernte und Schnitt praktisch zusammen: Der Ertragstrieb wird nach dem Pflücken abgeleitet, damit im nächsten Jahr neues Fruchtholz nachkommt.
Was bei uns in der Region typisch ist
Im Landkreis Zwickau finden wir zwei Ausgangslagen. In den Ortsteilen der Umlandgemeinden stehen große, alte Hausbäume auf Sämlingsunterlage — Bäume, die acht Meter und mehr erreichen und deshalb nur noch von der Leiter oder aus dem Seil zu bearbeiten sind. In den jüngeren Wohngebieten dominieren schwachwachsende Unterlagen, bei denen sich fast alles vom Boden aus erledigen lässt.
Der Unterschied ist für die Kalkulation erheblich, und er entscheidet auch über die Erwartung: Ein Sämlingsbaum lässt sich nicht auf drei Meter halten. Wer das will, schneidet ihn kaputt.
Was wir dabei nicht anfassen
Alte Obstbäume sind ökologisch wertvoll — Höhlen, Rindenspalten und Totholzstrukturen sind besiedelt. Wir entnehmen Totholz dort, wo es über Wegen hängt, und lassen es stehen, wo es niemanden gefährdet. Nach demselben Maßstab wie am Großbaum.
Ist ein Obstbaum nicht mehr zu retten — Stammbruch, fortgeschrittene Fäule, abgestorbene Krone —, sagen wir das. Auch dann gilt in Zwickau: Ein Laubbaum ab 100 Zentimetern Stammumfang ist geschützt, und alte Apfelbäume erreichen dieses Maß regelmäßig.Der Weg über das Anzeigeverfahren.