Warum wir hier keine Schwelle nennen
Es wäre einfach, eine plausible Zahl hinzuschreiben. In der Region sind 60 oder 80 Zentimeter verbreitet, und niemand würde es prüfen. Genau deshalb tun wir es nicht: Wer eine Schwelle aus dem Netz übernimmt und daraufhin einen geschützten Baum fällt, begeht eine Ordnungswidrigkeit — und trägt sie selbst.
Unsere Regel dazu steht in denredaktionellen Standards: Was geprüft ist, ist als geprüft gekennzeichnet; was nicht geprüft ist, steht als nicht geprüft da. In der Vergleichstabelle auf der Seite zum Fällverfahren ist Crimmitschau entsprechend markiert.
Die Bebauung bestimmt das Verfahren
Crimmitschau hieß „Stadt der 100 Schornsteine“. Um 1880 arbeiteten hier 40 Volltuchfabriken. Geblieben ist dichte gründerzeitliche Bausubstanz — und dazwischen schmale Hinterhöfe, in denen einzelne große Bäume stehen, die von drei Seiten von Wänden umgeben sind.
In der Kernstadt sind die Höfe der Blockstruktur der bestimmende Faktor. Ein Baum, der dort steht, hat drei Wände um sich und einen Durchgang zur Straße. Enge Hinterhöfe schließen den Kranarm aus. In Crimmitschau ist die Seilklettertechnik seltener eine Frage des Komforts und öfter die einzige Möglichkeit, einen Baum überhaupt kontrolliert abzutragen.
Daraus folgt der Ablauf, den wir hier fast immer wählen:
- Aufstieg im Seil, Abtrag von der Krone abwärts —wie bei jeder Problembaumfällung.
- Ablassen statt Werfen. Im Hof gibt es keine Fläche, auf der etwas unkontrolliert landen darf.
- Häcksler auf der Straße, wenn er nicht in den Hof passt. Dann wird Material getragen — das ist der zeitbestimmende Teil.
- Stamm in kurzen Abschnitten, in Längen, die sich durch den Durchgang tragen lassen.
Deshalb ist die Frage nach der Durchgangsbreite bei uns keine Nebensache. Sie entscheidet über Gerät, Zeit und Preis.
Der Talkessel und was er mit Bäumen macht
Die Stadt liegt im Talkessel der Pleiße, im Westen vom Westberg, im Osten vom Gablenzer Berg gerahmt. Für die Baumarbeit ist daran vor allem die Windführung interessant: In einem Talkessel wird Wind kanalisiert und beschleunigt, und die Hauptwindrichtung folgt der Talachse statt der großräumigen Wetterlage.
Praktisch heißt das, dass Bäume hier oft einseitig ausgebildet sind — mit einer Kronenverlagerung in Windrichtung und entsprechend verschobenem Schwerpunkt. Beim Fällschnitt ist das eine Größe, die man kennen muss; und bei derRegelkontrolle ist eine solche Verlagerung ein Grund, den Stammfuß genauer anzusehen.
Die Ortsteile: die andere Hälfte der Arbeit
Zwölf Ortsteile reichen weit ins offene Land: Blankenhain, Frankenhausen, Gablenz, Langenreinsdorf, Lauenhain, Mannichswalde, Rudelswalde, Leitelshain, Wahlen, Gösau, Gosel, Gersdorf. Dort ist die Lage das Gegenteil der Kernstadt — Feldgehölze, Alleen, große Hausgärten mit Fallraum. Wo ein Baum am Stück fallen darf, arbeiten wir konventionell, und das ist deutlich günstiger.
Der zweite Unterschied betrifft die Arten. Im offenen Land dominieren Esche, Pappel und Weide — Arten mit hohem Totholzanteil und, bei der Esche, demTriebsterben. In der Kernstadt sind es Hofbäume: Ahorn, Linde, Kastanie.
Anfahrt
Crimmitschau liegt 20 Kilometer von Zwickau entfernt, Fahrzeit rund22 Minuten. Die Stadt zählt 17.820 Einwohner, Postleitzahl08451.